(Lest vorher den ersten Eintrag dieses Blogs, dass macht ein paar Dinge einfacher zu verstehen :) ).
Manchmal glaube ich manche Frauen werden nur geboren um geheiratet zu werden. Natürlich, wie sooft im Leben gleicht ein Ei nicht dem Anderen. Hier ist die Hochtzeit etwas schlichter, dort etwas pompöser. Bei dem einen ist es Hochtzeit wie im Bilderbuche, bei Anderen wird das Eheversprechen vor einem swingenden Elvis Look-alike in Vegas gegeben. Und letztendlich geht es eigentlich nur um die Frau. Frau hier, Frau da. Seis ihr an dieser Stelle aber gegönnt.
So war ich auch gestern Zeuge des Zaubers der Eheschließung. Ich selber bin, der sich in einer noch recht jungen Lebensphase befinde und von Heirat nicht wirklich viel hält, trotzdem immer wieder fasziniert, ja, sogar berührt, durch den Aufwand und die Liebe die dabei an den Tag gelegt wird.
Ich treffe also ein beim Standesamt. Die Braut kommt vorgefahren in einer dicken Stretchlimo, zusammen mit Trauzeugen und weiblichen Elternteilen beider Seiten. Der Ehemann darf zu Fuß gehen, schließlich darf er die Braut ja nicht sehen. Armer Idiot.
Ein Blick in die Limo sagt mir, dass ich vielleicht doch heiraten sollte. Während ich mich Frage, wo das Koks und die Nutten in dem wirklich gut ausgestatteten Innenraum unterkommen, entschließe ich mich vielleicht doch besser ein uneheliches Kind zu zeugen und dies einfach heiraten zu lassen. Damit bin ich fein aus dem Schneider.
Die Familien setzen sich, der Bräutigam läuft nervös auf und ab. Alles wird ruhig. R&B Musik erklingt aus dem CD Player. Haben sich beide bestimmt gemeinsam ausgesucht *hust*. Die Braut kommt rein und wie auf Druckkopf fangen alle Weibchen im Saal an zu schluchzen. "Ja...", denke ich, "wieder eine Freundin, die vor euch heiratet."
Es wird still im Saal, nur ein kleines wimmern hier und da. Die Standesbeamtin beginnt mit der Zeremonie, und leitet ein mit ein paar schönen Wörtern, die das Schluchzen um alle herum noch einmal aufleben lässt. Ich für meinen Teil frage mich, zum wieviel hundersten Mal die Gute Frau den Text nun schon vorträgt.
Nach 20 Minuten ist das Dram..äh...Schauspiel vorbei.
Es werden Fotos geschossen, die Braut und der Bräutigam dürfen ein Herz auf einem Bettlaken auschneiden und hindurchsteigen. Die Braut, die eine Linkshänderin ist, wird mit einer Rechtshänderschere ordentlich gefoppt, dann hilft der Ehemann nach. Wenn da nicht eine Singlefreundin sich grad still ins Fäustchen lacht.
Eine andere Hochtzeitsgesellschaft ist bereits eingetroffen. Höflich werden wir von der Treppe des Standesamtes verjagt. Nachdem die Menschen ins Standesamt geströmt sind, kommt auch die Braut in einem schicken weißen Rolce Royce vorgefahren. Rivalisierende Blicke werden zwischen Braut incl. Freundinnen und der anderen Braut ausgetauscht. "Diese Schlampe!", kann man deutlich in den Gesichtern eines jeden lesen. Doch ist die rivalisierende Braut deutlich in der Unterzahl und trollt sich ins innere des Gebäudes. Blicke die sagen: "Genau, zieh leine und heirate dein Arschloch von Mann!", heitern die kurze Anspannung wieder auf.
Auf gehts zum großen Festmahl in einem schicken neumodischen Gasthaus. Die Leute gucken nicht schlecht, als die fette Stretchelimo auf den Aldiparkplatz hinter dem Gasthaus ihre Runde dreht. Brautpaar (Ehemann durfte diesmal doch mitfahren) und alte Besetzung steigen amüsiert aus. Der Situation zu erschließen, fragt der ein oder andere was wohl auf der Fahrt zur Gaststätte in der Limo passiert ist und welche lustigen Pillen zwischen den Sitzen hergeholt worden sind. Einige andere wollen es gar nicht so genau wissen. Die Bermerkung eines Mitfahrers, dass es erstaunlich sei, was man in so kurzer Zeit in einer Limo alles machen kann, setzt mein Kopfkino in gang und bringt mich zu der Erkenntnis, dass ich besser nicht weiter nachfrage.
Im Restaurant erwartet uns ein stattliches Essen vom Buffet. Ich setze mich bereits mit der Vorspeise Schach Matt, quäle mich durch das Hauptgericht über Dessert bis zur Hochzeitsbuttercremetorte. Augenverdrehend wünschte ich, dass man mir das Essen wieder rausschneidet. Mein Vater sitzt neben mir und schaut auf den Teller. "Hast du nur einmal Hauptgericht gegessen?", eine Frage die man wirklich nur in Wohlstandsländern fragen kann.
Ich geselle mich zum Brautpaar und unterhalte mich mit denen über den weiteren Verlauf des Abends. Zur Nachtresidenz in Düsseldorf soll es gehen, hört, hört. Der Vater der Braut, der interessiert dem Gespräch lauscht, schaut mich an und kommt zu einem weniger erfreulichen Entschluss: "Wissen Sie an wen Sie mich erinnern...?". Story of my life...
Nachdem die sich jeder voneinander verabschiedet hat geht es ab zu meinen Vater. Ich mache mich fertig für den späteren Abend. Ich bin der Erste, der in der eindrucksvollen Neuwohnung des Ehepaars eintrifft, aber bald schon ist die Bude rappelvoll. Dasselbe R&B Lied, dass auch zur standesamtlichen Trauung lief, spielt nun auch im Hintergrund. Zu meiner bitteren Überraschung wurde die Repeatfunktion aktiviert. Zähne knirschend und mit Getränken bewaffnet zucken ich und auch einige Gäste bei jedem Liedneuanfang synchron und zunehmend heftiger zusammen. Nach einer halben Stunde Druckbetankung, werden wir erlöst und geht es endlich nach Düsseldorf. Hoffentlich durfte die Braut nicht die Playlist bestimmen, sonst wird der Abend von eher monotoner Songauswahl geprägt. Angekommen bei der Nachresidenz stellen wir uns in die Schlange für die Gästeliste. Rechts neben mir versuchen zwei Mädchen und zwei Typen in die Residenz zu kommen. Der Türsteher guckt sich alle vier an und sagt schließlich: " Die Mädchen können rein, aber die Jungs kenne ich nicht, sorry!". Netter Versuch Leute. Ich fühle mich fast schuldig.
Ich kriege ein schwarzes Band um meinen Arm und kriege eine schwarze Karte. Beeindruckt, aber unwissend was das alles zu bedeuten hat, lass ich die Dinge geschehen. Ziemlich eindrucksvoller Laden. Selbst auf dem Klo riecht es nach Jungfräulichkeit. Wir werden in den VIP bereich geführt und der Absolut Vodka wird bereit gestellt. Ich begnüge mich mit Red Bull. Der Laden wird immer voller. Plötzlich kommen einige Gestalten exzentrisch tanzend in den VIP Bereich und begeben sich auf das Tanzpodest - die Gogotänzer sind eingetroffen. Neben mir tanzt eine wunderschöne junge Frau, mit einem ziemlich kurzen Minirock, den sie, der unüblichen Form nach zu beurteilen, offensichtlich bei IKEA in der Lampenabteilung erworben hat. Ich muss mich setzen um mir das Spektakel genauer anzusehen. Ein Arbeitskollege von meinem Bruder guckt mich an und sagt: "Hast du den Arsch schon gesehen?", der unter dem Lampenschirm hervorblitzt, "Meine Fresse!". "Ja, der ist ja kaum zu übersehen!", ist meine Antwort. doch so hübsch die Gute auch ist, wird sie scheinbar nicht fürs Lachen bezahlt.
Ich genieße den Ausblick und trinke mein Dose Red Bull (der aus purem Gold gegossen sein musste - eine Dose 5€, eine Flasche Absolut Vodka im Vergleich 60€ - aber ging ja auf das Brautpaar :D) , dann tanze ich selber. Fasziniert beobachte ich den glatzköpfigen Mann der wie eine Gottesanbeterin verkleidet, wirre Bewegungen macht. Auf der Treppe die von der Tanzfläche eine Etage höher führt, windet sich ein weiterer Gogotänzer die Treppen hoch. Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass sein Outfit einem Kunstwerk von Körperwelten ähnelt, fast wie ein Knäuel aus Blutfäden.
Links von mir tanzt ein ziemlich betrunkenes Mädchen jenseits der Absperrung vom VIP Bereich. "Ziemlich wild die Kleine!", denke ich so bei mir, während ich sie hin und wieder beobachte, wie sie Fotograph bis Kameramann usw. angräbt. Schließlich kommt sie zu mir. "Lässt du mich in den VIP Bereich?". "Pah!", denke ich, "so einfach ja nicht!". "Süße, ich kenne dich doch gar nicht, ich kann dich nicht einfach hier reinlassen, wenn du mir nicht ein bisschen von dir erzählst!". Es startet ein heftiger Flirt. Meine Gruppe wird Aufmerksam. Die Mäddels kommen zu mir und mischen sich ins Gespräch. Die Jungs klopfen mir, so subtil wies mit der harten Promille im Blut nunmal geht, von hinten auf die Schulter. Später sagen die Mädchen mir:" Diese kleine Schlampe, die hat sich schon den ganzen Abend an alles rangemacht was fleucht und kreucht, die is nix für dich!". Da sieht man wieder den unterschied zwischen Männern und Frauen. Die Jungs kommen abwechselnd zu mir und brüllen lediglich "Du musst die bumsen!".
Wieder zu ihr: Sie will meine Nummer, ich gebe sie ihr mit den Worten, dass Sie sich melden soll, sonst kriege Sie die Nummer nicht. Sie bejaht dies, lässt die Nummer in ihrem Slip verschwinden (!) und ehe sie selber wieder tanzen geht (in den VIP hab ich sie nicht gelassen. HAHA) lispelt sie in mein Ohr: "Weißt du an wen du mich erinnerst...?" Story of my life...!
In dem Sinne:
Lang lebe das Hochtzeitspaar! Ich wünsche euch eine glückliche und lange Ehe! Danke für die tolle Nacht und das unbezahlbare Ambiente.
Sonntag, 9. Mai 2010
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen