Diejenigen, die ein paar Jahre älter, aber nicht notwendigerweise reifer und erfahrener sind kennen die absolute Wahrheit: Kaffee und Koffeinprodukte sind schlecht!
Sie sind schlecht wie jede Art der Droge, ob nun legal oder illegal, soft oder hard, bewusstseinsverändernd oder betäubend. Spätestens dann, wenn die kleine Kathi-Marie es besonders lustig fand ihrem Bruder, dem kleine John-Joseph Pascal, eine Tasse von Papas doppelten Espresso auf ihrer Teeparty zu verabreichen, sind Elternteile alarmiert.
Vor allem in der Oberstufe war ich ein leidenschaftlicher Kaffeetrinker. Zu dem Zeitpunkt, wo draußen die Welt noch in Frieden schlummert und man sich gegenseitig am Frühstückstisch nach aller Kunst der Morgenmuffeligkeit herzlich entgegen schweigt, schmeckt der Kaffee doch noch am besten. Die ersten zwei Stunden Sport Leistungskurs in der Praxis, kamen dann jedoch meist eher einem Kampf ums Überleben gleich. Jeder falsche Schritt könnte quasi dazu führen, dass dein Herz explodiert - eine tickende Zeitbombe in deiner Brust. Oder so fühlte es sich zumindest an, wenn der Puls an der Halsschlagader im deutlich hörbaren Takt des Tapsen, der leichtfüßigen Mitsportler mitschlug.
Im Übrigen sind solche Symptome eine ernstzunehmende Sache, denn wird darunter in der Medizin eine (wenn auch nur leichte) Koffeinvergiftung verstanden. Und noch immer feiern neue Koffeinprodukte täglich ihr Debüt und werden freudig konsumiert, trotz der jahrelangen Erkenntnis, dass Koffein in seiner gesundheitlichen Wirkung nicht zu unterschätzen ist und trotz Alternativen wie Koffein-freie Cola oder entkoffeinierter Kaffee.
Auch ich ertappe mich bei Zeiten von wenig Schlaf und einem langen Lerntag in der Uni dabei, dass die Vorteilkarte vom Douwe Egbert (DE) Café in unserer Fakultät (niederländische Kaffeemarke und Cafékette, ähnlich populär wie Starbucks - eure Senseo-pads sind übrigens von DE) wieder fast voll ist. Zumindest darf ich mir bei voller Karte gratis den Körper vergiften.
Aber Mal im Ernst.
Sicherlich will ich hier nicht wettern gegen Drogen, Alkohol und andere Substanzen oder gar Moralapostel spielen um Dir zum zigsten Mal vorzukauen, dass diese gefährlich und schädlich sind. Wir sind alle kein unbeschriebenes Blatt Papier. Die meisten Menschen werden sich der Tatsache mehr oder weniger bewusst sein, dass derartige Substanzen, welche Funktion des Körpers aus dem Gleichgewicht bringen, nicht zu einer gesunden Lebensweise beitragen. Obwohl die Tatsache von vielen auch gerne mal ignoriert oder verdrängt wird. Auch ich, der seinen Kaffekonsum damals deutlich minderte, um beim Sport nicht ständig mit seiner Mortalität konfrontiert zu werden (zumal sportliche Aktivität auch das Gegenteil bewirken sollte) sehe mich in alte Muster zurückfallen. In Muster wo letztendlich doch wieder öfter zu Genussmitteln, wie meinen geliebte DE Cappuccino Heißgetränk, gegriffen wird.
Wieso ist das so? Manche mögen behaupten, dass man oft sehr kurzlebig denkt und zumindest für den Moment das Bild aus dem Kopf verdrängt, dass man durch sein Verhalten womöglich irgendwann mal, am Tropf hängend, in einem unserer Krankenhäuser landet oder im schlimmsten Fall in der Kiste. Ich denke das ist absolut der Fall, wenn auch nicht der einzige Faktor. Ich persönlich wundere mich ja schon lange, worauf manche Gesetze bezüglich zu Rauschmitteln genau basiert sind. Und deutlich sollte sein, dass ich mich hier lediglich kritisch mit dieser Frage auseinandersetze und das mit meinem jetzigen Wissensstand. Würde ich behaupten, ich hätte für das Thema reichlich recherchiert müsste ich lügen und korrigiert mich, wenn ich mit meinen Argumenten falsch liege.
Allerdings sind die meisten Behauptungen auf Fakten basiert, die ich während des Studiums oder durch eigene Interesse erworben habe. Und natürlich soll alle Fachsimpelei nicht dazu auffordern sich illegal zu verhalten, loszuziehen und allerlei Drogen zu konsumieren. Denn egal wie logisch so mancher Einwand klingen mag (oder vielleicht auch nicht), illegal bleibt illegal, schädlich bleibt schädlich. Aber wieso sage ich das? Wir denken doch schließlich zwischen den Ohren mit.... oder...?
Nehmen wir das altbekannte Beispiel: Alkohol vs. Cannabis. Ich denke jeder kann damit was anfangen und sicherlich bin ich nicht der erste oder gar der letzte Mensch, der diese Beispiel aufgreift. Dazu gesagt bin ich auch der Meinung, dass gerade im Fall von Alkohol, für viele scheinbar ziemlich undeutlich ist, um was es sich bei diesem Genussmittel genau handelt. Auf der anderen Seite gilt so etwas ähnliches für Cannabis oder Koffein.
Was verstehen wir eigentlich unter Alkohol? Assoziationen, die mir spontan in den Kopf schießen sind vielleicht: Party, Spaß, soziale Aktivitäten, Genussmittel, Feierlichkeiten etc. die Liste ist unendlich lang, aber um es kurz zu fassen: Alkohol ist im Allgemeinen und mit wenigen Ausnahmen ein akzeptiertes Genussmittel, das nicht selten zu sozialen Anlässen konsumiert wird, ob nun in einer gemütlichen Runde beim Pokern oder beim Sektbuffet auf einer Hochzeit. Nach den ersten, häufig positiven Assoziationen, schießen die weniger erfreulichen Aspekte in den Kopf: Nachlassen der körperlichen und willentlichen Kontrolle, Übelkeit, Kater, Unfälle (sowohl Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen und Erwachsenen, als auch das unschöne und kalte Erwachen in einem Straßengraben) und in weitaus schlimmeren Fällen die körperliche Abhängigkeit, vielleicht sogar Tod.
Gerade Alkoholsucht ist ein weitgehend unterschätzter Aspekt, denn wer jemals gelesen oder gar erfahren hat wie schmerzhaft und mühsam ein körperlicher Alkoholentzug ist, wird mein Argument ansatzweise nachvollziehen können (gilt sicherlich nicht nur für Alkohol, sondern alle körperlichen Entzüge). Und trotz des Wissens aller bestehenden Gefahren, aller Vorsorgemaßnahmen der letzten Jahre und tagtäglichen Berichten über Komasaufen und Trunkenheit am Steuer bleiben die spontanen Assoziationen bei den meisten Menschen doch in der Gunst dieser Substanz. Ich möchte mich gar nicht erst groß darüber auslassen, welche physischen Folgen und körperlichen Langzeitschäden durch Alkohol entstehen. Dysfunktion der Leber, Arterienverkalkung und Beschädigung des Nervensystems sind nur ein kleiner Teil dessen.
Jedoch muss erwähnt werden, dass wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass eine geringe Mengen an Alkohol täglich (etwa ein Gläschen Wein) gesünder sind, als gar keinen Alkohol zu trinken. Das lässt doch hoffen.
Nehmen wir die in Deutschland illegale Substanz Cannabis im direkten Vergleich: Was fällt darüber zu assoziieren? Die meisten Menschen, gerade die nicht wirklich wissen was dieses Mittel bewirkt, werden wohl vor allem Punkte nennen wie: Entwicklung von Psychosen und anderen psychischen Krankheiten, soziale Inkompetenz, Ziellosigkeit, Gleichgültigkeit, Zurückgezogenheit und natürlich Sucht. Die Meisten derjenigen werden vermutlich auch zustimmen, wenn man behauptet, dass diese Substanz sozial unverträglich ist und jeden Konsumenten in einen willenlosen Zombie verwandelt. Die selben werden vielleicht am wenigsten bereit sein zu denken, dass es eine bewusstseinsverändernde Droge ist, die beim Konsum zB. entspannend und erheiternd wirkt, vielleicht sogar durchaus sozial verträglich sein kann. Bei meiner bzw. jüngeren Generationen beobachte ich zumindest, recht subjektiv, mehr und mehr Akzeptanz, im Vergleich zu älteren Generationen (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel). Natürlich herrschen dort auch meist ganz andere Werte und Mentalitäten.
Was ist an dieser Stelle dann wahr und was nicht, wenn man an Cannabis denkt? Vielleicht sollte man sagen: Alles und dann auch wieder nichts. Denn nicht jeder der Cannabis konsumiert ist auch ein introvertierter Faulpelz, der sich um alles einen Dreck kümmert. Die Wissenschaft zeigt sogar parallelen zu Menschen mit Schizophrenie und Cannabiskonsum oder mit anderen psychischen Krankheiten wie Depression oder Paranoia. Die altbekannte Frage: "Was war eher da? Das Huhn oder das Ei?".
War erst die Krankheiten da, ausgelöst durch Cannabiskonsum, oder ist Cannabiskonsum nur im Zuge von Selbstmedikation, etwas was aus diesen Erkrankungen folgt? War da erst der unmotivierte Nichtsnutz oder war es die Droge, die ihn dazu macht was er ist? Eine klare Antwort gibt es leider nicht.
Natürlich hat Cannabis körperliche Schäden zu Folge. So wird gesagt, dass das konsumieren von einem Joint, welcher mit Tabak gedreht wird und dadurch auch nicht selten zu Tabakabhängigkeit führt, weitaus schädlicher ist als eine Zigarette zu rauchen. Zumal man dann denken muss an die Schäden durch Tabak, sowie Arterienverkalkung, Impotenz, Krebs und all die Risikos, von denen uns die freundlichen Aufdrucke auf den Zigarettenschachteln warnen. Konsum von Cannabis soll, im übrigen auch zu kognitiven Einschränkungen wie Gedächtnisverlust und zu Konzentrationsmangel führen.
Die Wissenschaft ist sich auch einer weiteren Sache nicht ganz einig. Die Gate-Theory stellt die Frage, ob Cannabis nicht die Pforten öffnet zu wesentlich härten Drogen, wie Kokain, Amphetamine und Heroin. Andere sind der Meinung, dass dies nicht der Fall ist. Denkbar ist auf jeden Fall, dass Cannabis (vielleicht auch wegen dem Image der "illegalen" Droge?) den Widerstand nimmt, um auch härtere Drogen zu testen. Ganz nach dem Motto: "Wenn schon, denn schon".
Zieht man den Vergleich zu Alkohol, dann sind die Todesursachen die direkt in Bezug stehen mit dem Konsum Cannabis geradezu Null. Wenn man Wikipedia glauben schenken mag (wobei man bei Wikipedia und Co. auch immer kritisch bleiben sollte), dann sind weltweit keine verzeichneten Todesfälle durch eine Überdosis an Cannabis bekannt. Ich glaube ich erspare es dem fleißigen Leser, dies hochzurechnen auf die direkten Todesfälle durch Alkohol. Auch ist eine körperliche Abhängigkeit von Cannabis in der Wissenschaft noch nicht recht deutlich, jedoch kann man klar von einer psychischen Abhängigkeit sprechen. Im Allgemeinen ist das nicht viel besser, jedoch soll eine physische Abhängigkeit angeblich leichter zu überwinden sein, als eine körperliche Abhängigkeit. Zumindest klingt es für mich logisch, dass Schmerzen, Überempfindlichkeit und, in schlimmeren Fällen, ein ausgeprägtes Delirium es schwieriger machen die Substanz nicht mehr zu konsumieren, als wenn "lediglich" kognitive Prozesse und Gewohnheit dazu auffordern die Substanz zu sich zu nehmen.
Was auch nicht vergessen sollte, wenn man als Argument gegen Cannabis Erscheinungen wie Gleichgültigkeit oder ein entwickeln von sozialen Problemen nennt, dass dies bei Alkohol ebenso der Fall sein kann. Ich persönlich bin dabei auch der klaren Ansicht, dass jegliche Sucht, die ein normales Leben nicht mehr möglich macht, weitaus tiefere psychische Probleme als Ursache tragen und nicht grundsätzlich und allein auf die Droge selbst zurückzuführen ist.
Wenn man also beide Substanzen vergleicht, so kann man parallelen ziehen: Beide Substanzen sind schädlich und haben ihre Nebenwirkungen. Auf der anderen Seite scheint Alkohol allerdings wesentlich schwerere Konsequenzen für Körper und Geist zu tragen bzw. ist die nachgewiesene Schädlichkeit von Cannabis in Relation zu Alkohol empirisch (noch) nicht wirklich gleichzusetzen. Warum also diese Stigmatisierung und Verteuflung von der einen Substanz, die in ihren Auswirkungen weniger negative Aspekte trägt, und die Verherrlichung von der anderen Substanz, die auf Grund von logischer Schlussfolgerung ebenso verboten gehört?
Und nochmals: Dies ist nur ein kritische Überlegung, eine ernstgemeinte Frage und keine Verherrlichung von irgendwas.
...und jetzt seid ihr dran.
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